Bio-Siegel und Tierhaltungssiegel im Überblick

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Seit über 20 Jahren schon gibt es das Bio-Siegel in Deutschland.

Ob Bio, Fischzucht oder Fleischhaltung: Mittlerweile gibt es eine Menge Siegel, die Aufschluss über die Herkunft oder Herstellung von Lebensmitteln geben sollen. Da es bei der Fülle an Bio-Siegeln und Co. aber schnell unübersichtlich werden kann, geben wir dir hier eine verständliche Übersicht über die gängigsten und vor allem aussagekräftigsten Siegel auf dem Lebensmittelmarkt.

Von Bio bis regional – Was sagen Siegel aus

Biologisch, ökologisch, nachhaltig, regional oder kontrollierter Anbau – wir geben zu, gerade bei Siegeln ist nicht immer klar, was sie eigentlich aussagen. Die Begriffe Bio und Öko sind dabei laut EG-Öko-Verordnung rechtlich geschützt und dürfen nur dann verwendet werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Keine Verwendung von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln
  • Keine Gentechnik
  • Keine mineralischen, leicht löslichen Düngemittel
  • Keine Bestrahlung der Lebensmittel
  • Weite Fruchtfolgen
  • Keine Antibiotika und leistungsfördernde Mittel
  • Tiergerechte, flächengebundene Haltung
  • Verwendung von ökologisch produzierten Futtermitteln

Lebensmittel, die diese Kriterien erfüllen, dürfen dann die geschützten Begriffe biologisch, ökologisch, kontrolliert biologisch, kontrolliert ökologisch, biologischer Landbau, ökologischer Landbau und biologisch dynamisch sowie biologisch-organisch tragen.

Bezeichnungen wie aus kontrolliertem Anbau, aus alternativer Haltung, ohne Spritzmittel, etc. sind also tatsächlich kein Garant dafür, dass die Lebensmittel wirklich Bio oder Öko sind. Gleiches gilt für den regionalen Anbau.

Bio-Siegel im Überblick

Mittlerweile gibt es allein unter den Bio-Siegeln eine Vielzahl verschiedenster Label. Doch selten sagen alle Bio-Siegel das gleiche aus oder werden ähnlich kontrolliert. Wir haben dir hier daher die bekanntesten und vertrauenswürdigsten Bio-Siegel und deren Kriterien zusammengestellt:

  • Staatliches Bio-Siegel: Das sechseckige deutsche Bio-Siegel hat wohl jeder schon einmal gesehen. Es ist mittlerweile bereits 20 Jahre alt und nach EG-Öko-Verordnung zertifiziert. Es wird vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vergeben, wenn die oben genannten Kriterien eingehalten werden.
  • EU-Bio-Siegel: Neben dem deutschen staatlichen Bio-Siegel gibt es zusätzlich noch das EU-Bio-Logo. Das Grüne Blatt aus 12 Sternen wird an alle Bio-Lebensmittel vergeben, die in einem EU-Staat hergestellt wurden.

Die folgenden drei Bio-Siegel entsprechen allen Kriterien der staatlichen Biosiegel, sind aber von Anbauverbänden. Diese haben zusätzlich zu den oben genannten Kriterien noch eigene entwickelt, weshalb die folgenden Bio-Siegel noch strenger sind, was die Bezeichnungen Bio und Öko angeht. So ist beispielsweise bei allein die Kastration von Ferkeln ohne Betäubung verboten, beim EU-Siegel nicht.

  • Demeter: Das Bio-Siegel von Demeter ist das älteste. So sind hier bei Bio-Lebensmitteln im Vergleich zum EU-Siegel weder Nitritpökelsalze, natürliche Aromen oder Carrageen erlaubt. Auch die Anzahl der Legehennen und Masthühner pro Hektar ist bedeutend geringer.

Bio Siegel Demeter

  • Naturland: Neben Bio-Lebensmitteln kann dieses Bio-Siegel auch Textilien und Holzprodukte bewerten. Wie beim Demeter-Siegel sind natürliche Aromen und Nitritpökelsalze nicht erlaubt. Außerdem ist die Stallfläche in Betrieben mit diesem Siegel in der Schweinehaltung um 0,2-0,3 qm größer als beim EU-Siegel.
  • Bioland: Bioland zählt sich nach eigenen Angaben zu den wichtigsten biologischen Anbauverbänden. Tiertransporte dürfen hier max. vier Stunden dauern und auch hier ist die Zahl der Masthühner und Legehennen bedeutend geringer.

Bio Siegel Bioland

Fisch-Siegel gegen Überfischung der Meere und nachhaltigen Fischfang

Artgerechter Fischfang und die Überfischung der Meere verhindern: Das wollen vertrauenswürdige Fischsiegel vermitteln. Doch auch hier ist nicht immer klar, was genau sich hinter dem Siegel verbirgt oder ob es sich nur um Greenwashing handelt. Laut Greenpeace ist es momentan jedoch nicht möglich, Fisch-Siegeln uneingeschränkt zu trauen. Neben Fisch-Siegeln können daher auch Bio-Siegel ein Anhaltspunkt für die Herkunft und den Fang bieten. Wichtig sei vor allem darauf zu achten, dass es sich um ein echtes Siegel mit Kriterien handelt und nicht nur ein Marketinglabel.

  • Naturland: Naturland hat sowohl für Wildfisch als auch Aquakulturen ein eigenes Siegel. Fischbestände und Ökosysteme sollen so geschützt werden. Auch hier gelten strengere Auflagen als beim EU-Standard.
  • MCS-Siegel: Das Siegel der Marine Stewardship Council (MSC) ist wohl den meisten bekannt. Der Schutz von Fischbeständen und des Ökosystems steht hier im Vordergrund. Nur Fischereien, die nachhaltig fischen, erhalten das Siegel. Doch das Siegel steht auch immer wieder in der Kritik: unter anderem dafür, dass trotz MSC-Zertifizierung schädliche Fanggeräte genutzt werden oder ein industrieller Fischfang mit viel Beifang genutzt wird.

MSC Siegel, Fisch Siegel

  • ASC-Siegel: Das Siegel der Aquaculture Stewardship Council wird für Standards in der Aquakultur vergeben. So muss die Fischfutterherkunft klar sein und Antibiotika dürfen nur für kranke Fische eingesetzt werden. Zudem sind Fischdichte und –arten klar vorgegeben. Allerdings ist als Fischfutter Fischmehl nicht verboten – dieses wird aber oft auf überfischten Beständen hergestellt.

ASC Siegel, Fisch Siegel

  • Friend of the sea: Das Siegel gilt für Zucht- und Wildfisch, wobei weder Natur noch überfischte Bestände zerstört werden dürfen. Allerdings ist die Transparenz nicht immer gegeben und nachhaltige Futtermittel sind nicht klar geregelt.
  • Dolphin Safe: Das Siegel gibt an, dass beim Thunfischfang keine Treibnetze verwendet wurden oder Delpfine verletzt bzw. getötet wurden. Zwar wird mit diesem Label der Delfin geschützt, wie und wo jedoch der Thunfisch gefangen wird und das mit Beifängen passiert, bleibt unklar.

Um die Weltmeere zu entlasten, hilft es auch, Fisch bewusst zu konsumieren. Außerdem können dir Quellen wie der WWF-Fischratgeber bei der nachhaltigsten Wahl von Fisch helfen, da du hier Informationen zu Fanggebiet und Fangmethode erhältst.

Bewertung der Haltungsform und Tierschutz

Seit 2019 gibt es ein einheitliches System der Initiative Tierwohl, das die Haltungsform auf Fleisch in SB-Theken von Schweinen, Rindern, Puten und Hühnern kennzeichnet. Viele Supermarktketten und Discounter beteiligen sich an der Kennzeichnung ihrer Produkte, da die Initiative Tierwohl freiwillig von Einzelhändlern, der Fleischindustrie sowie dem Bauernverband ins Leben gerufen wurde, das System ist jedoch keine Pflicht. Das Fleisch wird in eine von vier Haltungsformen eingeteilt:

  • Form 1 Stallhaltung: Ist die schlechteste Form und die Haltung der Tiere bezieht sich auf gesetzliche oder branchenübliche Standards.
  • Form 2 StallhaltungPlus: Hier gibt es etwas mehr Platz und auch Beschäftigungsmaterial für die Tiere.
  • Form 3 Außenklima: Wie der Name verrät, haben die Tiere hier Zugang zu Außenklima, beispielsweise durch einen Außenbereich. Generell steht ihnen bei dieser Haltungsform noch mehr Platz zu.
  • Form 4 Premium: Die beste Haltungsform sichert, dass die Tiere zum einen genug Platz im Stall und zum anderen tatsächlich Auslauf haben. Hier liegen die Standards für Bio-Fleisch.

Haltungsformen

Die Verbraucherzentrale bemängelt jedoch bei dem System, dass es viel zu wenig Erzeugnisse der Formen 3 und 4 gibt und dass weitere Faktoren wie Tierwohl, Transportwege, etc. damit überhaupt nicht abgebildet werden. Denn die Haltungsform allein ist noch kein Indikator für das Tierwohl.

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