Was du über den Nutri-Score wissen musst

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Zahlen Und Ampelfarben: Der Nutri-Score soll einfach gesündere Lebensmittel im Vergleich sichtbar machen.

Seit 2020 findet sich auf immer mehr Lebensmitteln der sogenannte Nutri-Score. Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) dient der Nutri-Score als schnelle Orientierung beim Einkauf, um gesündere Lebensmittel ausfindig zu machen. Unternehmen sind allerdings nicht verpflichtet, den Nutri-Score zu verwenden und viele Verbraucher:innen sind sich der Nutri-Score-Bedeutung nicht bewusst. Wir klären dich daher hier darüber auf, was der Nutri-Score eigentlich ist und wie du ihn korrekt nutzen kannst.

Der Unterschied zwischen Back-of-Pack und Front-of-Pack

In Deutschland sind die Zutatenliste und Nährwertangaben auf verarbeiteten Lebensmitteln seit der Lebensmittelinformationsverordnung 2011 Pflicht. So sollen sich Verbraucher:innen selbst über Angaben wie Brennwert, Fett, Salz, Eiweiß, Zucker oder gesättigte Fettsäuren in Lebensmitteln informieren können.

Diese Angaben müssen zwar zwingend korrekt von Lebensmittelherstellern angegeben werden, allerdings befinden sich diese immer auf der Rückseite von Verpackungen (Back-of-Pack). Sogenannte Back-of-Pack-Label werden häufig übersehen oder nicht genutzt bzw. werden sie vorrangig von Konsument:innen genutzt, die schon ein höheres Verständnis von Ernährung besitzen. Viele Verbraucher:innen wissen also nicht, wie sie die Nährwertangaben korrekt deuten sollen.

Daher sollte ein sogenanntes Front-of-Pack-Label Abhilfe schaffen. Wie der Name verrät, befindet sich dieses nämlich auf der Vorderseite eines Lebensmittels und kann so besser wahrgenommen werden. Sie stellen entweder zusammengefasste Nährwertinformationen dar oder bewerten wie der Nutri-Score den gesundheitlichen Wert eines Lebensmittels.

Nutri-Score: Definition und Erklärung

Der Nutri-Score wurde erstmals in Frankreich 2017 als freiwillige Kennzeichnung auf Lebensmitteln eingeführt. Nachdem er in Deutschland lange abgelehnt wurde, fand er schließlich auch hierzulande seinen Weg auf immer mehr Produkte. Seit Ende 2020 können Lebensmittelhersteller selbst entscheiden, ob sie den Nutri-Score verwenden möchten – rechtlich verpflichtend ist er nicht.

Der Nutri-Score ist ein Ampelsystem, welches eine fünfstufige Farbskala mit den Buchstaben A bis E enthält. Die Farben reichen dabei von Dunkelgrün (Buchstabe A) bis Rot (Buchstabe E). Durch die Nutri-Score-Berechnung erfolgt mithilfe der Ampel eine Gesamtbewertung des Lebensmittels. Er gibt also an, ob das Nährstoffprofil eher günstig oder ungünstig für eine ausgewogene Ernährung ist. Wie bei einer Ampel bedeutet Grün günstiger und Rot ungünstiger.

WICHTIG: Die Einordnung bzw. Interpretation des Nutri-Scores ist entscheidend für die richtige Nutzung des Labels. Er dient nämlich lediglich dem Vergleich von Lebensmitteln derselben Produktklasse. So kannst du zum Beispiel Schokoriegel bezüglich ihrer Bewertung vergleichen, nicht aber Schokoriegel mit Keksen.

Ein Nutri-Score von E bedeutet also, dass das Lebensmittel im Vergleich zu ähnlichen Produkten ungünstiger ist, was die Nährwertelemente angeht. So kann dir der Nutri-Score beispielsweise zeigen, welches Müsli im Vergleich zu anderen die ernährungsphysiologisch bessere Wahl wäre.

Alles andere als leicht: die Nutri-Score-Berechnung

Um den Nutri-Score berechnen zu können, werden die Lebensmittel jeweils auf Basis ihres Gehalts an Nährstoffen und Nährwertelementen betrachtet. Dazu wird ein Lebensmittel in ungünstige und günstige Nährwertelemente unterteilt und mit Punkten bewertet. Für die Bewertung wird immer die Menge der Nährwertelemente pro 100 g genutzt.

Günstige Nährwertelemente sind unter anderem Proteine, Obst, Gemüse, Ballaststoffe oder Eiweiß. Sie sorgen dafür, dass das Lebensmittel Minuspunkte erhält.

Ungünstige Nährwertelemente sind hingegen Zucker, Energie, gesättigte Fettsäuren oder Salz. Durch sie erhält das Lebensmittel positive Punkte.

Wurden alle Nährwertelemente bewertet, werden die Punkte zusammengerechnet. So können Lebensmittel eine Gesamtbewertung von –15 bis +40 Punkte erhalten. Je niedriger der Punktwert ist, desto besser fällt die Bewertung des Nutri-Scores aus.

Das klingt nicht nur aufwendig und kompliziert, das ist es auch in der Praxis. Hersteller müssen zudem nicht angeben, wie es zu dem berechneten Wert kam. Außerdem müssen Getränke anders berechnet werden als feste Lebensmittel.

© BMEL/Janine Schmitz/photothek.net

Was bedeutet nun also der Nutri-Score

Ob ein Lebensmittel wirklich gesund ist, kann der Nutri-Score tatsächlich nicht widerspiegeln. Er kann lediglich abbilden, welches ernährungsphysiologisch günstiger ist als andere und dazu beitragen, das Lebensmittel zu wählen, das zu einer ausgewogeneren Ernährung beiträgt.

Anders ausgedrückt: Selbst, wenn ein Fertigprodukt wie beispielsweise eine Tiefkühlpizza einen Nutri-Score A hat, heißt das nicht, dass sie gesunde oder ausgewogene Nährstoffe hat. Vielmehr sagt dieser Nutri-Score nur aus, dass sie im Vergleich zu ähnlichen Produkten – also TK-Pizzen – eine bessere Nährwertqualität hat, also die günstigere Zusammensetzung aufweist.

Wie du dich überhaupt ausgewogen und gesund ernähren kannst, zeigen dir hingegen Modelle wie die Ernährungspyramide und der Ernährungskreis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Diese bilden ab, welche Lebensmittel du in welchen Mengen für eine gesunde Ernährung konsumieren solltest.

Warum wir den Nutri-Score dennoch brauchen

Die traurige Wahrheit ist leider, dass die deutsche Bevölkerung immer dicker wird. Laut BMEL ist fast jeder Zweite in Deutschland übergewichtig. Auch Adipositas wird zu einem immer stärkeren Gesundheitsproblem. Vor allem eine zu fett- und zuckerhaltige Ernährung – teils auch durch Fertigprodukte – befeuert dieses Gesundheitsproblem.

Daher soll der Nutri-Score laut BMEL Verbraucher:innen dabei helfen, beim Einkauf mit nur einem Blick den Nährwert eines Lebensmittels zu erkennen und es besser mit anderen vergleichen zu können. So sollen sie die gesündere Wahl innerhalb einer Produktgruppe treffen.

Feststeht: Wer das Prinzip des Nutri-Scores einmal verstanden hat, der kann ihn als schnelles und hilfreiches Mittel beim Vergleich der Nährwertqualität von Lebensmitteln verwenden. Als Informationsquelle für eine gesündere Ernährung kann der Nutri-Score also sehr wohl dienen, er ist jedoch kein alleiniges Hilfsmittel für eine gesunde und ausgewogene Ernährung.

Generell zeichnet sich der Nutri-Score durch folgende Punkte aus:

  • FOP werden mehr wahrgenommen als BOP.
  • Das Ampel-System ist leicht verständlich.
  • Er kann das Kaufverhalten beeinflussen.

Allerdings bedarf es noch mehr Aufklärungsarbeit bezüglich FOP-Labels wie dem Nutri-Score. Denn bisher wird er vorrangig von gesundheitsbewussten Verbraucher:innen genutzt. Wir hoffen daher, dass wir dir den Nutri-Score etwas näherbringen konnten und du dessen Aussagekraft nun besser verstehst.

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